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Die Protagonisten der diesjährigen Konferenz "Crafting & Wellbeing" des europäischen Netzwerktreffens in Florenz im April 2026 |
Abendliches Get-Together auf dem Gelände der MIDA International Handicraft Exhibition. Im Vordergrund: Delegierte vom Crafts Council Netherlands and ARTEX (Toskana) |
Die Vertreter*innen von Ateliers d'Art de France und dem Institut National des Métiers d'Art beim abendlichen Get-Together |
Zufriedenheit gestalten: Wie Kunsthandwerk Gesundheit und Gesellschaft verbindet |
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Am 30. April 2026 fand in Florenz die Jahreskonferenz der European Crafts Alliance (ECA) unter dem Titel „Crafting Wellbeing – Practices, Communities and the Power of Making“ statt. Die Veranstaltung bildete den Abschluss der diesjährigen Mitgliederversammlung unseres europäischen Dachverbandes und wurde vom toskanischen Kunsthandwerkerverband ARTEX in Zusammenarbeit mit Firenze Fiera ausgerichtet – anlässlich des 90-jährigen Jubiläums der MIDA International Handicraft Exhibition. Im Zentrum der Konferenz stand eine Frage, die zunehmend an Bedeutung gewinnt: Welche Rolle kann Kunsthandwerk für Gesundheit, Wohlbefinden und gesellschaftlichen Zusammenhalt spielen? Dass es sich dabei nicht nur um eine kulturelle oder wirtschaftliche Perspektive handelt, zeigte eine aktuelle Studie der Universität Ostfinnland (UEF), die von der European Crafts Alliance in Auftrag gegeben und im Rahmen der Konferenz vorgestellt wurde. Sie liefert erstmals eine fundierte, datengestützte Grundlage für das, was viele im Handwerksbereich bereits aus der Praxis kennen: Kunsthandwerkliche Tätigkeiten leisten einen erheblichen Beitrag zur präventiven Gesundheitsförderung – und das über die gesamte Lebensspanne hinweg. Die Ergebnisse sind deutlich: Über 90 % der Befragten gaben an, dass kreatives Arbeiten ihre psychische Gesundheit stärkt. Darüber hinaus wird deutlich, dass Kunsthandwerk weit über individuelle Effekte hinauswirkt. In ganz Europa zeigt sich diese Entwicklung bereits in der Praxis. Ob in der Rehabilitation, in Gemeinschaftsprojekten oder im Kontext von „Social Prescribing“ – also der gezielten Einbindung sozialer Aktivitäten in Gesundheitsprogramme – findet Kunsthandwerk neue Anwendungsfelder. Tätigkeiten wie das Arbeiten mit Ton, das Flechten von Weiden oder die Holzverarbeitung werden zunehmend als wirksame Methoden zur Förderung von Wohlbefinden, sozialer Teilhabe und sogar zur Unterstützung bei moderaten gesundheitlichen Beschwerden anerkannt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass gerade im urbanen Raum in ganz Europa plötzlich abendliche Keramikworkshops wie Pilze aus dem Boden schießen und insbesondere in der jungen Generation eine ähnliche Rolle einnehmen wie z.B. ein gemeinsamer Lauftreff. Zugleich wurde auf der Konferenz aber auch ein Spannungsfeld deutlich gemacht: Wie sich diese Entwicklungen konkret gestalten, zeigten verschiedene Beiträge und Fallstudien aus der Praxis. Auch der Dialog zwischen Kunsthandwerk und Gesundheitswesen wurde vertieft: In einem Gespräch zwischen der Craft-Psychology-Expertin Dr. Anne Kirketerp und Elena Baistrocchi von der Lisio Silk Art Foundation ging es um die Frage, wie sich eine gemeinsame Sprache zwischen Werkstatt und Klinik entwickeln lässt – und wie kunsthandwerkliche Prozesse künftig stärker in gesundheitliche Versorgungssysteme integriert werden können. Ein weiterer zentraler Aspekt der Studie ist die Bedeutung des Kunsthandwerks für lebenslanges Lernen und aktives Altern. Gerade ältere Menschen profitieren in besonderer Weise von kunsthandwerklichen Tätigkeiten – durch verbesserte kognitive Fähigkeiten, ein gesteigertes Gefühl von Sinn und Selbstwirksamkeit sowie durch die Reduzierung von Einsamkeit. Auch für Menschen mit Gedächtnisverlust oder kognitivem Abbau eröffnen handwerkliche Aktivitäten neue Möglichkeiten der Teilhabe und des kreativen Ausdrucks. Interviews mit Fachleuten des Kunsthandwerks aus ganz Europa unterstreichen zudem die Notwendigkeit, handwerkliche und zugleich kreative Bildung entlang der gesamten Bildungsbiografie zu stärken – von der frühen Kindheit über die berufliche Ausbildung bis hin zur Erwachsenenbildung. Gleichzeitig wird gefordert, Kunsthandwerk stärker sichtbar zu machen und ihm eine vergleichbare gesellschaftliche Anerkennung wie Sport oder anderen kulturellen Aktivitäten zu verleihen. Formate wie Märkte, Messen, Makerspaces und lokale Initiativen spielen dabei eine wichtige Rolle. Den Blick nach vorn richtete schließlich ein Panel aus Vertreterinnen der öffentlichen Gesundheit, der sozialen Innovation und der Interessenvertretung. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Handwerk über einzelne Projekte hinaus zu einem festen Bestandteil eines europäischen Gesundheits- und Gesellschaftssystems werden kann. Die Konferenz und die begleitende Studie machen deutlich: Damit rückt Kunsthandwerk zunehmend ins Zentrum einer Debatte, die weit über den Werkstattkontext hinausreicht – hin zu einer engeren Verzahnung von Kultur, Gesundheit, Bildung und Gesellschaft. Als bislang oft unterschätzte Ressource bietet es konkrete Ansätze zur Bewältigung zentraler Herausforderungen unserer Zeit – von psychischer Gesundheit über soziale Isolation bis hin zu nachhaltiger Entwicklung – und trägt so zu gesünderen, stärker vernetzten und widerstandsfähigeren europäischen Gesellschaften bei.
Hier geht es zur Aufzeichnung der ECA Annual Conference 2026: „Crafting Wellbeing”.
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Impressionen des Netzwerktreffens der europäischen Kunsthandwerksverbände 2026 in Florenz
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Vertreter*innen unterschiedlicher Verbände aus insgesamt 19 europäischen Staaten haben sich in diesem Jahr zur General Assembly der European Crafts Alliance (ECA) in Florenz getroffen |
Austausch beim gemeinsamen Mittagessen im Garten eines ehemaligen Klosters, in dem der toskanische Kunsthandwerkerverband ARTEX seinen Sitz hat |
Die Delegierten beim gemeinsamen Aufbruch zum Messegelände der MIDA International Handicraft Exhibition, die 2026 ihr 90. Jubiläum feierte |
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Die Delegierten bei einer Führung über das Gelände, in dem zwei Tage lang die General Assembly der European Crafts Alliance abgehalten wurden. Hier: Vertreter*innen aus Spanien, Schottland, Georgien, Zypern, Malta, Italien und der Michelangelo Foundation |
Und immer wieder sind es die Gespräche am Rande der Tagung und der Konferenz, die das jährliche Treffen der europäischen Kunsthandwerkerfamilie so wertvoll machen. Hier: Vertreterinnen aus Schweden, Dänemark, ECA, Slowakei, Michelangelo Foundation |
Der wunderbare Rahmen, den uns der toskanische Verband mit der Ausrichtung der diesjährigen GA in Florenz geboten hat, hat maßgeblich zur tollen Atmosphäre und zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen. |









